Latika Volk wird Fünfte bei den Deutschen Meisterschaften u18 im Judo

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Am vergangenen Wochenende kam Deutschlands Nachwuchselite bei den Deutschen Meisterschaften der U18 in Leipzig zusammen. Mit dabei war auch das Aushängeschild des Budo Club Hemsbach, Latika Volk, die sich für dieses hochklassige Turnier qualifiziert hatte. Sie ging in der Gewichtsklasse bis 63 kg an den Start und traf dort auf ein stark besetztes Teilnehmerfeld mit 31 Athletinnen. Begleitet wurde Latika nach Leipzig von ihren Eltern, ihrer Trainingspartnerin Celine Seifert sowie ihrem Heimtrainer Dominik Riedel.

Kampf 1: Auftakt nach Maß

     Die Hemsbacherin traf in ihrem ersten Kampf auf Brämer aus Niedersachsen. Latika präsentierte sich von Beginn an spritzig, energisch und überlegen im Griffkampf. Trotz dieser Griffdominanz setzte sie einen Angriff etwas zu hastig an und wurde gekontert. Dadurch lag sie zunächst mit einem Yuko (kleine Wertung) zurück – hatte aber noch ausreichend Zeit, den Rückstand aufzuholen. Aus der dominanten Griffposition ergab sich wenig später eine Gelegenheit zu einer Würgetechnik am Boden. Zwar blieb diese ohne direkte Wertung, kostete die Niedersächsin jedoch sichtbar viel Kraft. Etwa zur Hälfte des Kampfes erkannte Latika, dass ihre Gegnerin mit dem Gewicht auf den Hacken stand, und nutzte diesen Moment konsequent aus: Mit einem O-uchi-gari erzielte sie den entscheidenden Punkt. Trotz kleiner Wackler kontrollierte Latika den Kampf weitgehend und startete somit erfolgreich in das Turnier.

Kampf 2: Der Weg ins Viertelfinale

Im zweiten Kampf traf Volk auf Gross aus Sachsen. Der Griffkampf verlief zunächst auf Augenhöhe, wobei Gross in der ersten Aktion den etwas günstigeren Griff durchsetzen konnte. Davon jedoch unbeeindruckt zeigte Latika, dass sie auch für solche Situationen Lösungen parat hat. Aus dem Untergriff setzte sie zu einem Wurf an und ging mit einem Uki-otoshi mit Yuko in Führung. Daraufhin erhöhte ihre Gegnerin den Druck und versuchte, das Kampfgeschehen an sich zu reißen. In einer anschließenden Aushebesituation behielt Latika jedoch die Kontrolle, konterte geschickt und verließ schließlich auch diesen Kampf als Siegerin.

Viertelfinale: Kräftemessen mit einer Turnierfavoritin

     Im Viertelfinale kam es zur Auseinandersetzung mit einer der vier Turnierfavoritinnen. Der Hemsbacherin stand Büttner aus der Pfalz gegenüber, welche bereits eine Medaille bei Deutschen Meisterschaften vorweisen kann. Die Pfälzerin ist für ein sehr agiles und dynamisches Kämpfen bekannt. Latika begegnete der hektischen Eröffnung voller Ruhe und konnte den Griffkampf für sich entscheiden und als einzige erste Wurfansätze vorbringen. Dennoch wurden beide Kämpferinnen für zu wenig Wurfansätze bestraft. In der zweiten Aktion griff Büttner mit O-uchi-gari an und war dabei selbst nicht optimal im Gleichgewicht. Volk nutzte dies und konterte blitzartig mit Ko-soto-gari. Der Kampfrichter streckte Ippon. Latikas Heimtrainer ahnte, dass die Wertung korrigiert werden würde und rief daher herein, dass am Boden die Festhalte fortgeführt werden soll. Latika folgte der Anweisung und hielt mit Kesa-gatame fest. Wie erwartet wurde der Ippon auf Waza-ari herabkorrigiert. Doch der Waza-ari plus die zehn Sekunden Haltezeit durch den Kesa-gatame summierten sich zu Ippon auf. Damit war klar, dass die Hemsbacherin eine Turnierfavoritin geschlagen hatte und sich ins Halbfinale vorgekämpfte hat. Voller Freude fielen sich Latika und ihr Heimtrainer nach dem gewonnenen Kampf in die Arme. 

Halbfinale: David gegen Goliat

     Im Halbfinale wartete die wohl schwerste Aufgabe des Turniers: Latika traf auf die Top-Favoritin Reinhold aus Bayern. Reinhold gehört zur Nationalmannschaft und gewann bereits Bronze bei Weltmeisterschaften – ein klassisches Duell David gegen Goliath. Für Latika gab es in dieser Begegnung nichts zu verlieren. Entsprechend befreit ging sie in den Kampf und wollte der Favoritin einfach Paroli bieten. Der Griffkampf entwickelte sich erneut schnell und intensiv. Volk hielt stark dagegen und konnte sich sogar den Obergriff sichern. Reinhold ist jedoch erfahren genug, um auch aus dem Untergriff gefährlich zu bleiben. Latika setzte einen O-uchi-gari an und stabilisierte zunächst die Situation. Kurz darauf verlor sie jedoch etwas an Spannung, woraufhin Reinhold den Übergang zum Bodenkampf erzwingen konnte. Dort setzte die Bayerin ihre Spezialtechnik ein – den sogenannten Paluschek-Umdreher, auch „Gurke“ genannt. Während viele Gegnerinnen versuchen, diese Technik nur passiv zu verteidigen, arbeitete Latika aktiv dagegen. Diese mutige Herangehensweise überraschte Reinhold zunächst und brachte Latika kurzzeitig sogar in eine vorteilhafte Position. Ein kleiner Fehler genügte jedoch, und die routinierte Bayerin drehte Latika schließlich in eine Festhalte. Auch wenn dieser Kampf verloren ging, bleibt vor allem das mutige Auftreten der Hemsbacherin und ihr offener Schlagabtausch im Stand in Erinnerung.

Kampf um Bronze: Die vertane Chance

Der Kampf um Bronze war bereits Latikas fünfter Kampf an diesem Tag. Dort traf sie auf eine alte Bekannte: Günther aus Nordrhein-Westfalen. Die beiden standen sich bereits vor etwa drei Jahren im Halbfinale eines Sichtungsturniers der U15 in Backnang gegenüber – damals mit dem besseren Ende für Günther. Nun sollte die Revanche folgen. Die taktische Vorgabe lautete, mit etwas mehr Abstand zu kämpfen, um die Konterstärke von Günther zu neutralisieren. Denn klar war: Gefährlich werden konnte sie vor allem über Konteraktionen. Doch gleich in der ersten Sequenz passierte das Unglück. Latika lief in einen direkten Angriff hinein und wurde sofort gekontert – Yuko für Günther.

Im Versuch, den Rückstand schnell aufzuholen, wurde Latika hektisch und griff beim Übergang vom Boden zum Stand direkt erneut an. Auch dieser Angriff wurde gekontert, diesmal mit Waza-ari. Nach nicht einmal einer Minute lag Latika somit deutlich zurück und musste die ursprüngliche Taktik aufgeben. Gegen einen solchen Rückstand hilft nur noch kompromissloser Angriff. Entsprechend stellte sie ihr Kampfkonzept um und suchte nun konsequent den Weg nach vorne. Mehrfach versuchte Volk, über Cross-Angriffe zum Erfolg zu kommen, traf jedoch immer wieder auf einen stabilen Block. Ein Hikkomi-gaeshi zeigte zwar Wirkung, brachte aber keine Wertung. Auch weitere Angriffe mit O-uchi-gari, Uchi-mata und Tai-otoshi blieben ohne Erfolg, da sie aus zu großer Distanz angesetzt wurden. Selbst eine Kombination aus O-uchi-gari und Harai-goshi führte zu keiner Wertung. Der Kampf lief inzwischen bereits über drei Minuten, während Günther selbst kaum noch Angriffe startete. Vom Trainer kam schließlich die Anweisung, noch einmal einen Seitenwechsel zu versuchen, um eine Überraschung zu erzeugen. Latikas Ippon-seoi-nage war jedoch nicht eng genug angesetzt und blieb wirkungslos. Im anschließenden Bodenkampf lief der Hemsbacherin die Zeit davon und der Kampf ging verloren. 

Trotz der vertanen Chance im Kampf um Platz drei bleibt eine gute Turnierleistung und ein solider fünfter Platz! Liebe Latika, dein Verein gratuliert dir ganz herzlich zu dieser herausragenden Leistung!